BLOG NR. 14: WAS IST BITTE EIN ALTHIPPIE?
Ja, so habe ich mich in meinem letzten Texteintrag selbst beschrieben. Und zwar wertschätzend. Und das meine ich auch genauso. Da es jedoch seit geraumer Zeit in unterschiedlichen Medien immer wieder vorkommt, dass Hippies im Zusammenhang mit Pädophilie und politisch fragwürdigen Ideen gebracht werden, besteht da für mich doch Klärungsbedarf.
Ich sage es ganz ehrlich, ich weiß über diese möglichen Zusammenhänge wenig bis gar nichts. Nun könnte ich jetzt spekulieren, wie so etwas entsteht, oder wessen Geiste Menschen sein könnten, die so etwas verbreiten. Ich werde mit meinem heutigen Wissensstand nicht klären können, ob dies auf Fakten beruht oder nicht.
Ich erhebe auch keinen Anspruch darauf umfassend über den Hippiekult im Bilde zu sein. Ich habe dies auch nie wissenschaftlich, also anthropologisch, soziologisch oder historisch erforscht.
Für mich ist Hippie-Sein vor allem ein Lebensgefühl. Und hat viel mit Freiheit zu tun. Mit Neugier auf alles Lebendige. Mit mehr Sein als Haben. Mit dem Mut neue Formen des Zusammenlebens zu erproben. Dem sinnlichen Erleben einen wichtigen Raum im Leben zu geben. Unseren Planeten als ein lebendiges Wesen zu erfahren und ihn dementsprechend zu behandeln. Sich von Mitgeschöpfen umgeben zu wissen in Fauna und Flora. Und ganz tief pazifistisch zu sein, sich um die eigene Friedenstauglichkeit zu kümmern und gesellschaftliche Rahmenbedingungen zu erforschen, die dies möglich machen.
Vor allem Letzteres ist selbstverständlich höchst politisch und knüpft an die Entstehungsgeschichte dieses Lebensgefühls an. Als Protestbewegung in den USA gegen den Vietnamkrieg. Mit einem Schulterschluss zu der Black-Powerbewegung und Anfängen einer Frauenbewegung.
Hier in Europa, und speziell in Deutschland, traf diese Lebens-Freiheit-Friedensbejahende Bewegung auf eine Jugend, die Kriegsenkel sind. Wie ich. Die daher hautnah täglich erlebten, was Kriege mit Menschen, Familien, Orten, Gesellschaften machen. Wo - unter anderem - gerade die Nürnberger Prozesse zu verarbeiten waren.
Ich war Teenager und fasziniert.
Die Fragen nach politischen Rahmenbedingungen für ein friedvolles Miteinander haben mich nie mehr losgelassen. Sie haben mich dann auch Politikwissenschaften studieren lassen.
Die spirituelle Dimension des Hippiekults prägt bis heute meinen Weg. Hat mich - als ein Schwerpunkt - im Ökofeminismus eine Heimat finden lassen.
Und die Lifestyle-Ebene lebe ich nach wie vor. Ich fühle mich wohl mit psychedelisch-bunt, langen Kleidern, bunten Decken, Räucherstäbchen und Kerzen zu jeder Jahreszeit.
Deswegen: ALT-Hippie. Keine Jugendlaune. Eine Lebenshaltung.
Heute politisch sooo NOT-WENDIG.
7.3.26